Bei der FrOSCon 2016 in Sankt Augustin präsentierte ich zwei Fallstudien digitalen Aktivismus: den erfolgreichen Kampf gegen den Routerzwang in Deutschland und die laufende Kampagne gegen die EU-Funkabschottungs-Richtlinie. Die FrOSCon (Free and Open Source Software Conference) bringt vorwiegend deutschsprachige Free-Software-Enthusiasten zusammen, die sowohl technisch versiert sind als auch ein Interesse an den politischen Rahmenbedingungen für Freie Software haben.
Der Vortrag analysierte den Erfolg der Routerfreiheits-Kampagne: Trotz massiven Widerstands der Telekommunikationsbranche war es gelungen, ein Gesetz durchzusetzen, das Verbrauchern die freie Wahl ihres Routers garantiert. Ich zeigte auf, welche Strategien erfolgreich waren – von der Mobilisierung breiter Unterstützung über die Zusammenarbeit mit Verbraucherschützern bis hin zur Lieferung technischer Expertise für politische Entscheidungsträger. Diese Lektionen wandte ich dann auf die drohende Funkabschottung an: Eine EU-Richtlinie, die unter dem Vorwand der Frequenzregulierung zu einem Lockdown aller funkfähigen Geräte führen könnte.
Die Präsentation war als Aktivismus-Leitfaden konzipiert: Sie zeigte nicht nur Probleme auf, sondern auch konkrete Wege, wie technische Communities politischen Einfluss nehmen können. Die Diskussion drehte sich um praktische Fragen: Wie findet man Verbündete außerhalb der Tech-Szene? Wie kommuniziert man technische Themen an Politiker? Wie baut man Druck auf, ohne in reinem Protest stecken zu bleiben? Für das FrOSCon-Publikum war dies eine Ermutigung, dass technischer Aktivismus Wirkung zeigen kann.