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- germany
- policy
- tanzania
headerimage: /blog/weselsky-putin.jpg
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Man könnte meinen, hier in Tansania ist man weit weg von den politischen Vorgängen in Deutschland. Doch interessanterweise wird es einem hier dieser Tage sehr einfach gemacht, den GDL-Streik, der vor allem vor Pfingsten in Deutschland die Bevölkerung elektrisiert, aus einer anderen Perspektive zu sehen. Wo selbst politik-kritische Formate wie die Satire-Komik-Sendung Heute Show durchgehend auf dem Gewerkschaftsführer Weselsky rumhackt, kann man durch den Vergleich mit Ländern wie Tansania, in denen das ganze Politikschauspiel noch etwas durchsichtiger und simpler gehalten ist, sehr gut verstehen, warum der GDL-Streik im Endeffekt ein notwendiges Übel für nahezu alle Bürger in Deutschland ist.
> **Über den Autor:**
@@ -39,13 +38,13 @@ Denn es geht nicht nur um mehr Geld für die Lokführer, sondern darum, ob das (
Gewerkschaften werden langsam zu einem Relikt aus alten Tagen und dieser Trend wird von der alten Arbeiterpartei SPD, die jetzt irgendwo zwischen den Scheinwirklichkeiten rum dümpelt und es sich eigentlich mit allen verscherzt (Vorratsdatenspeicherung, TTIP, BND-Affäre…), nur noch verstärkt. Und wenn wir ehrlich sind, gefällt uns das sogar auf den ersten Blick. Was habe ich mich früher über Arbeiter in gelben VerDi-Westen geärgert, die mit ihrem Kohlestreik schon wieder den ersten Slot in der Tagesschau bekommen haben. Uns wäre es auch recht, wenn Züge einfach fahren würden, am besten ohne dass wir je einen Zugfahrer zu Gesicht bekommen.
{{< figure src="/img/blog/weselsky-bild.jpg" class="text-center medium" caption="Zwar eine Montage des Postillon, aber recht nah an der Wirklichkeit" >}}
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Doch was wir damit im Endeffekt wollen würden, wäre die Entmachtung genau dieser Arbeitnehmer. Ich bin bei Weitem kein Sozialist und das Wort „Klassenkampf“ war mir schon immer fern, aber ich weiß, dass jeder Mensch heute mindestens eine Lobby braucht. Wir sehen in Brüssel heute, wie Realpolitik gemacht wird: Mächtige, mit Millionen ausgestattete Lobbyorganisationen vertreten Wirtschaftsinteressen von Firmen, die wie Pipi Langstrumpf die Welt so gestalten (möchten), wie sie ihnen gefällt. Auf der Strecke bleiben dabei Interessen, die nicht mit ähnlich viel Geld unterfüttert sind. In der Free Software Foundation Europe ([FSFE][1]) sehen wir derzeit, wie schwer es ist, ohne überschäumende Ressourcen ganz rationale Interessen normaler Bürger und kleiner Unternehmen gegen [die Macht riesiger Tech-Unternehmen][2] zu vertreten. Wo sollen da Lokführer und Stahlarbeiter bleiben? Dazu kommt auch die politische und großgewerkschaftliche Untätigkeit, wie [Jakob Augstein im Spiegel][3] schon so gut zusammengefasst hat:
> „Die Sozialdemokraten haben gegen die wachsende Ungleichheit nichts unternommen. Und die Gewerkschaften auch nicht. Im Gegenteil: Viel zu viele Sozialdemokraten und Gewerkschafter haben sich in der Vergangenheit auf die Seite der Lohndrücker geschlagen.“
{{< figure src="/img/blog/weselsky-bahnsinn.jpg" class="text-center medium" caption="Größenbahnsinn oder gehts vielleicht um mehr?" >}}
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Kurzum: Deutsche Bürger, die nicht gerade Besitzer eines Multi-Millionen-Euro-Unternehmens sind, sollten sich aus ganz rationalen Gründen gegen das Mainstream-Bashing von GDL und Weselsky stellen. Denn mit dem Ausgang dieser Streik-Schlacht kann sich entscheiden, ob harte Verhandlungsmethoden und Gewerkschaften überhaupt noch eine Zukunft haben. Diese kleine Gewerkschaft könnte die Blaupause für die kommenden Verhandlungen etwa mit Lehrkräften an Schulen und Universitäten sein und ob diese dann überhaupt streiken dürfen. Lokführer sind der Mehrzahl der Bürger recht egal, aber die Pädagogen zukünftiger Generationen sollten es nicht sein. Aber wenn es soweit kommt, hat sich womöglich deren politische Macht schon in Rauch aufgelöst, weil sie ihr letztes Machtmittel, den Streik, über Arbeitsgerichte, Tarifeinheitsgesetze und die gefestigte Streikmüdigkeit der Bevölkerung schon verloren hat.